Pflege

Demenz – Wenn der eigene Elternteil an Demenz erkrankt

Von Elsner Pflege 20. Juni 2014 März 21st, 2021 Keine Kommentare

Demenz ist nicht nur für den Betroffenen ein schwerer Schicksalsschlag, sondern vor allem wenn die eigenen Kinder davon betroffen sind.

Vor allem wenn die eigene Mutter bzw. der eigene Vater sein eigenes Kind nicht mehr erkennt und als Fremde behandelt. Für die pflegende Tochter / den pflegenden Sohn bedeutet das eine Extremsituation der Psyche. Das führt zur Irritationen, Ängsten und nicht selten zu verzweifelten Situationen. Auch daher, weil man viel zu wenig über die Krankheit weiß und nie gelernt hat, richtig damit umzugehen.

Unsicherheiten müssen soweit wie möglich beseitigt und das psychische Gleichgewicht sollte erhalten werden. Klingt logisch und einfach – aber die Praxis ist nicht immer so! Denn aufkommende Gefühle und Gedanken sind nicht immer so eindeutig zu steuern.

 

Kinder als Fremde

Sätze wie: „Wer sind Sie“, „Was wollen Sie“, „Ich kenne Sie nicht“ machen der Tochter / dem Sohn oft zu schaffen und man versucht mit Worten „Mama, ich bin’s Deine Tochter / Dein Sohn“ die Situation zu entschärfen. Es ist wirklich schmerzhaft, wenn man von seiner eigenen Mutter / seinem eigenen Vater nicht mehr erkannt wird. Das muss man erst mal verkraften. Tiefe Trauer, Enttäuschung machen sich breit – es kommen unangenehme Gefühle hoch, die einen einfach so überfallen und nicht selten überfordern

Ein Fremder für die eigene Mutter / den eigenen Vater zu sein, stellt das Kind vor einer großen Herausforderung, die man keinesfalls unterschätzen darf. Viel zu wenig wird diesbezüglich eine psychologische Hilfe angenommen.

 

Demenz als Krankheit verstehen lernen

Lernen Sie die Krankheit bzw. die jetzige Situation dies zu akzeptieren! Klingt sehr hart – aber ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Sie wird immer Ihre Mutter / Ihr Vater bleiben. Nur Demenz verändert die gesamte Familiensituation und auch die Beziehungsebene sowie den Umgang miteinander.

Setzen Sie sich intensiv mit der Krankheit auseinander. Fundiertes Wissen schafft Sicherheit, gibt einem Halt, mit der Situation besser umgehen zu lernen. Sie zu verstehen, um so in Folge vorhandene Ängste und Unsicherheiten auf ein Minimum zu reduzieren.

  • Was passiert bei dieser Krankheit mit Ihrer Mutter / Ihrem Vater?
  • Warum ist das so?
  • Welche Stadien gibt es?
  • Wie schauen die Symptome aus?
  • Welche Therapie-Maßnahmen gibt es?
  • Worauf müssen Sie Rücksicht nehmen?
  • Welche Möglichkeiten gibt es, den Alltag angenehm und sicher zu gestalten?
  • Was heißt das bezüglich Pflegegeld?
  • Welche professionelle Hilfe gibt es?
  • Welche Maßnahmen müssen getroffen werden?
  • Uvm.

 

Bedienen Sie sich professioneller Ratgeber! Fragen Sie beim Experten, den Fachärzten nach. Tauschen Sie sich mit Menschen aus, die sich in der gleichen oder ähnlichen Situation befinden.

Sie werden bemerken, je mehr Sie über die Krankheit wissen und verstehen lernen, desto leichter lässt sich damit umgehen.

 

Umstellung für den an Demenz erkrankten Elternteil

Auch für die an Demenz erkrankten Mutter / den an Demenz erkrankten Vater kommt es zu einer gehörigen Portion Umstellung. Auch sie müssen mit der neuen Situation umgehen lernen. Und das geht sicher nicht von heute auf morgen. Da ist viel Geduld und Einfühlungsvermögen gefragt. Ohne entsprechende Hilfe wird der Elternteil dies nicht schaffen. Das Leben ist nicht mehr so, wie es war und wird es auch nie wieder sein. Vergesslichkeit schafft Unsicherheit und führt nicht selten zu Aggressionen. Auf alle Fälle verändert sich die Persönlichkeit des erkrankten Elternteils, je nachdem welches Demenzstadion er hat. Das erfordert von der Tochter / dem Sohn ein ständiges Anpassen an neuen Situationen und Verhalten des erkrankten Elternteils.

 

Tipps im täglichen Umgang mit Demenz

  • Versuchen Sie stets, sich in die Situation Ihrer Mutter / Ihres Vaters hinzuversetzen. Auch wenn sie / er Sie nicht mehr erkennt ist es wichtig, dass sie in Ihnen eine Vertrauensperson findet. Eine Person, wo sie sich wohl und soweit als möglich sicher fühlen.
  • Seien Sie geduldig und verständnisvoll. Vermitteln Sie immer wieder aufs Neue, wer Sie sind. Nicht krampfhaft, sondern mit Ihrer beruhigenden vertrauten Stimme. Es werden Situationen kommen, wo Ihr erkrankter Elternteil einfach vergisst, was Sie vor einigen Minuten erzählt haben. Darüber müssen Sie sich bewusst sein.
  • Gestalten Sie den Alltag mit Elementen, wo Sie wissen, dass Sie für den an Demenz erkrankten Elternteil Sicherheit schaffen.
  • Docken Sie an das Erinnerungsvermögen Ihres Elternteiles an: Schauen Sie ich gemeinsam Fotoalben an, hören Sie sich die Lieblingsmusik an, wärmen Sie immer wieder gute alte Geschichten auf uvm.
  • Lassen Sie es – soweit als möglich – nicht unversucht Ihren Elternteil in einem gewissen Ausmaß in die alltägliche Pflege mit einzubeziehen.
  • Demenz bedeutet: Ein ständiges Neu-Kennenlernen
  • Denken Sie auch an Sie – Erholung ist erlaubt und somit verschrieben. Auch Sie benötigen Kraft – verglichen mit einem Motor: denn auch ein ständig überhitzter Motor ohne Service und Pflege geht irgendwann mal kaputt. Gönnen Sie sich schöne Stunden mit Ihren Freunden. Haben Sie Spaß daran, ohne jegliches schlechtes Gewissen. Das hilft keinem.
  • Holen Sie sich Unterstützung – Geben Sie sich nicht dem Irrglauben hin, alles alleine schaffen zu müssen. Diese Einstellung ist zwar bewundernswert, aber keinesfalls sinnvoll noch praktikabel. Wir sind alle Menschen und keine Roboter und das ist gut so!
  • Es gibt bereits vieles an guter Literatur mit konkreten Anleitungen, Praxis- und Übungsbeispielen, die das Verständnis und den Umgang mit dieser Krankheit erleichtern.
  • Ganz wichtig ist bei der Pflege bzw. beim Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen: Begegnen Sie ihnen stets mit Achtung und Wertschätzung! Und für Sie: Humor macht das Leben leichter!

Weitere hilfreiche Tipps finden sie im Blog-Artikel: Demenz – Hilfestellungen im Alltag

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