Pflege

Die Stärke der Demenzerkrankung – Reisberg-Skala

Von Elsner Pflege 29. Dezember 2013 März 21st, 2021 Keine Kommentare

Im vorigen Blogartikel haben wir uns grundsätzlich mit dem Begriff „Demenz“ und allgemeinem Wissenswerten beschäftigt.

 

Die Demenzerkrankung

Bei einer Demenzerkrankung

  • erhöht sich während ihres Verlaufes meist das Ausmaß der kognitiven Beeinträchtigung und
  • es kommt zu einer Veränderung der auftretenden Symptome

Mit Hilfe der „Reisberg-Skala“ lässt sich die Stärke der Demenzerkrankung (=Schweregradeinstufung von Demenzen) einschätzen. Nach Reisberg gehen mit dem Fortschreiten der Demenz erlernte Fähigkeiten der Reihe nach verloren. Die einzelnen Stufen sind in sieben Grade der Demenz eingeteilt.

 

Die Reisberg-Skala – nützliches Tool

Mittels der „Reisberg-Skala“ können Angehörige, das Pflegepersonal (z.B. 24-Stunden-Pflege), Betroffene und Interessierte die Stärke der Demenzerkrankung ungefähr einschätzen. Sie müssen lediglich das vorhandene Stadium der Demenz einen der sieben beschriebenen Grade zuordnen, was aber nicht bedeutet, dass dies einen Arzt ersetzt. Aber gerade diese oben genannten Menschen erhalten dadurch ein Gefühl für die ungefähre Schwere der Krankheit und wie ihr weiterer Verlauf vermutlich aussehen wird. Die Reisberg-Skala wird daher gerne als nützliches Mittel in Anspruch genommen, um sich einen Überblick zu verschaffen und mit dieser Erkrankung auseinanderzusetzen.

 

Praktische Anwendung

In der Praxis sieht die Vorgehensweise der Einstufung nach der Reisberg-Skala folgendermaßen aus:

  • Beobachtung des Betroffenen / Pflegenden und
  • wenn möglich befragt man den Betroffenen /Pflegenden.

Aufgrund der ermittelten Ergebnisse, wird der Schweregrad der Demenz festgelegt.

Die kognitiven Fähigkeiten betreffen vor allem Gebiete der Psychologie, Neurowissenschaft und Psychiatrie: Beispiele

  • Orientierung
  • Aufmerksamkeit
  • Konzentration
  • Argumentation
  • Persönlichkeitswahrnehmung
  • Lernen
  • Erinnerung
  • Kreativität
  • Selbstbeobachtung
  • Planen
  • Wille
  • Glauben
  • Vorstellungskraft
  • uvm

 

Die genaue Einstufung des Stadiums / Stärke / Grade der Demenz ermöglicht die zielgerechte und systematische Pflege und Betreuung durch das Pflegepersonal und das richtige Training der individuellen Fähigkeiten durch entsprechende Fachkräfte (= nur so ist es möglich auf die Bedürfnisse des Betroffenen / Pflegenden individuell einzugehen).

Weiters erhalten die Betreuungspersonen und Angehörigen (z.B. Partner, Kinder, Enkeln, Verwandelte, Freunde) eine Vorstellung des derzeitigen Zustands der Erkrankung und können das Verhalten sowie die Symptome einfacher verstehen und nachvollziehen. Dies erleichtert den Umgang mit dem Betroffenen / Pflegenden, was für beide Seiten förderlich ist. Betreuungspersonen und Angehörige sind in Folge besser imstande, sich auf die Bedürfnisse, Ängste, Gefühle uvm. des Betroffenen / Pflegenden einzustellen.

 

Die sieben Grade der Demenz  – kurz und bündig

Die sieben Grade der Demenz kurz und bündig – laut Spezialambulanz für Gedächtnisstörungen am AKH Wien – mehr Infos!

  • Grad 1: Keine kognitiven Leistungseinbußen
  • Grad 2: Zweifelhafte kognitive Leistungseinbußen: Subjektive Vergesslichkeit, normaler Untersuchungsbefund
  • Grad 3: Geringe kognitive Einbußen – leichte Demenz: Vom familiären Umfeld wahrgenommene Schwierigkeiten
  • Grad 4: Mäßige kognitive Einbußen – leichte bis mittelschwere Demenz: Mobilität, Rechenvermögen, Kurzzeitgedächtnis, u. a. eingeschränkt
  • Grad 5: Mittelschwere kognitive Leistungseinbußen – mittelschwere Demenz: Hilfe bei Kleiderauswahl nötig, örtliche und zeitliche Orientierung deutlich eingeschränkt
  • Grad 6: Schwere kognitive Leistungseinbußen – mittelschwere bis schwere Demenz: Hilfe beim Essen und bei der Körperpflege nötig; Patient desorientiert; hochgradige Sprachverarmung
  • Grad 7: Sehr schwere kognitive Leistungseinbußen – schwere Demenz: Sprachverlust, Inkontinenz, motorische Rigidität

 

Die sieben Grade der Demenz – ausführlich

  • „Grad 1: Keine kognitiven Leistungseinbußen:
    Hier gibt es keine subjektiven Hinweise auf ein Gedächtnisdefizit.
  • Grad 2: Zweifelhafte kognitive Leistungseinbußen:
    Subjektive Klagen über Defizite, am häufigsten in nachfolgenden Bereichen:

    (a) vergisst, wo vertraute Gegenstände abgelegt wurden,
    (b) vergisst früher gutbekannte Namen.
    Keine objektiven Zeichen eines Gedächtnisdefizits im klinischen Interview. Keine objektivierbaren Defizite im Beruf oder im sozialen Umfeld. Angemessenes Verhalten unter Berücksichtigung der Symptomatik.
  • Grad 3: Geringe kognitive Leistungseinbußen:
    Erste eindeutige Defizite manifestieren sich in mehr als einem der nachfolgenden Bereiche:

    (a) Die/Der Patient/in kann sich an einem fremden Ort nicht zurechtfinden,
    (b) Mitarbeiter(innen) bemerken die reduzierte Arbeitsleistung,
    (c) Freunde und Bekannte bemerken Wortfindungsstörungen und Schwierigkeiten, die Namen von Bekannten zu erinnern,
    (d) die/der Patient/in behält nur einen geringen Teil einer gelesenen Textpassage,
    (e) die/der Patient/in kann sich deren Namen bei der Vorstellung neuer Personen schlechter merken,
    (f) die/der Patientin verlegt oder verliert Wertgegenstände,
    (g) während der klinischen Testung wird ein Konzentrationsdefizit evident.Objektive Gedächtnisdefizite lassen sich nur in einem ausführlichen klinischen Interview bzw. in psychometrischen Tests finden.
    Verringerte Leistungsfähigkeit im Beruf oder im sozialen Umfeld. Die/Der Patientin beginnt, Defizite zu verleugnen. Geringe bis mittelgradige Angst begleitet die Symptome.
  • Grad 4: Mäßige kognitive Leistungseinbußen
    Im sorgfältig durchgeführten klinischen Interview manifestieren sich eindeutige Defizite in folgenden Bereichen:

    (a) Kenntnis aktueller oder kurz zurückliegender Ereignisse,
    (b) erinnern des eigenen Lebenslaufs,
    (c) Konzentration bei den Aufgaben mit seriellen Subtraktionen,
    (d) Fähigkeit, sich an unbekannten Orten zurechtzufinden oder mit Geld umzugehen, usw.Meist keine Defizite in nachfolgenden Bereichen:
    (a) Orientierung zu Zeit und Person,
    (b) Wiedererkennen vertrauter Personen und Gesichter,
    (c) Fähigkeit, sich an bekannten Orten zurechtzufinden. Unfähigkeit, komplexe Aufgaben durchzuführen.
    Das Verleugnen von Defiziten ist die dominierende Abwehrstrategie. Der Affekt verflacht, und die der Patient(in) beginnt, Situationen mit höheren Anforderungen zu vermeiden.
  • Grad 5: Mittelschwere kognitive Leistungseinbußen
    Die/Der Patientin kann ohne fremde Hilfe nicht mehr zurechtkommen. Sie/Er kann sich während des Interviews kaum an relevante Aspekte seines Lebens erinnern, z. B. an die Adresse, die langjährige Telefonnummer, die Namen naher Familienangehöriger wie die der Enkel oder den Namen der Schule, die sie/er zuletzt besucht hat. Häufig besteht Desorientierung zur Zeit (Datum, Wochentag, Jahreszeit etc.) oder zum Ort.
    Eine gebildete Person kann Schwierigkeiten haben, beginnend bei 40 in Viererschritten oder beginnend bei 20 in Zweierschritten rückwärts zu zählen. Patienten dieses Stadiums erinnern allerdings noch einige Fakten, die sie selbst oder andere betreffen. Sie erinnern ihren Namen ebensogut wie den des Ehepartners oder der Kinder. Sie brauchen keine Hilfe beim Toilettengang oder Essen, können aber Schwierigkeiten bei der Auswahl situationsgerechter Kleidung haben (z. B. wählen sie oft Hausschuhe für den Waldspaziergang).
  • Grad 6: Schwere kognitive Leistungseinbußen:
    Die/Der Patient kann gelegentlich den Namen des Ehegatten vergessen, von dem ihr/sein Überleben abhängt. Keine Kenntnis kurz zurückliegender Ereignisse und eigener Erfahrungen. Lückenhafte Erinnerung an die eigene Vergangenheit. Jahreszeiten und zeitliche Veränderungen werden z. B. nicht mehr wahrgenommen. Sie/Er Kann Schwierigkeiten haben, von zehn bis eins rückwärts zu zählen, gelegentlich sogar beim Vorwärtszählen von eins bis zehn. Benötigt Hilfe bei alltäglichen Verrichtungen, kann z. B. inkontinent werden oder Hilfe benötigen, um sich an bekannten Orten zurechtzufinden. Gelegentlich gelingt es aber auch ohne Hilfe. Der Tag-Nacht-Rhythmus ist häufig gestört. Beinahe immer wird der eigene Name erinnert. Häufig können noch bekannte von unbekannten Personen unterschieden werden.
    Persönlichkeitsveränderungen und Gefühlsstörungen treten in den Vordergrund. Sehr variabel ausgeprägte Störungen sind:
    (a) Verfolgungsgedanken, z. B. wird der Betreuungsperson Betrug und Diebstahl unterstellt oder mit imaginären Personen oder dem eigenen Spiegelbild gesprochen,
    (b) Zwangssymptome, z B. wird ständig ein und derselbe Gegenstand gereinigt,
    (c) Angstsymptome. Unruhe und aus der Vergangenheit nicht bekanntes aggressives Verhalten können auftreten,
    (d) fehlender Willensantrieb, z. B. kann erwünschtes Verhalten nicht mehr in die Tat umgesetzt werden, weil der Gedankengang dazu nicht mehr lange genug im Kopf behalten werden kann.
  • Grad 7: Sehr schwere kognitive Leistungseinbußen
    Häufig totaler Sprachverlust, gelegentlich sind noch sprachliche Automatismen erhalten. Harninkontinenz; sie/er ist beim Toilettengang und Essen auf Hilfe angewiesen. Verlust grundlegender psychomotorischer Fähigkeiten, kann z. B. nicht mehr laufen. Das Gehirn scheint den Körper nicht mehr steuern zu können. Häufig finden sich generalisierte und fokale neurologische Symptome.“